Altersschwerhörigkeit: Anzeichen frühzeitig erkennen und wieder besser hören
Gespräche in einer größeren Runde werden anstrengender, der Fernseher muss lauter gestellt werden und hohe Stimmen sind schwerer zu verstehen: All das können erste Anzeichen für eine Altersschwerhörigkeit sein. Sie entwickelt sich meist langsam und bleibt deshalb lange unbemerkt.
Eine frühzeitige Überprüfung des Hörvermögens schafft Klarheit. Moderne Hörgeräte können fehlende Höreindrücke gezielt ausgleichen und dabei helfen, Sprache, Musik und Geräusche wieder deutlicher wahrzunehmen.
Was ist Altersschwerhörigkeit?
Die Altersschwerhörigkeit wird medizinisch als Presbyakusis bezeichnet. Gemeint ist eine Hörminderung, die sich mit zunehmendem Alter entwickelt. Sie betrifft in der Regel beide Ohren und macht sich besonders häufig beim Verstehen hoher Töne bemerkbar. Das bedeutet: Geräusche sind teilweise noch hörbar, die Sprache lässt sich aber nicht mehr so gut verstehen. Vor allem Konsonanten wie „s“, „f“ oder „t“ können undeutlich klingen. Betroffene hören dann zwar, dass jemand spricht, verstehen jedoch nicht jedes Wort.
Die Altersschwerhörigkeit ist weit verbreitet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebt ungefähr jeder dritte Mensch im Alter von über 60 Jahren mit einer Hörminderung. Eine frühzeitige Erkennung und passende Unterstützung können viele Auswirkungen verringern.
Ab wann beginnt die Altersschwerhörigkeit?
Es lässt sich nicht pauschal sagen, wann die Altersschwerhörigkeit beginnt. Erste Veränderungen können bereits zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auftreten. Bei manchen Menschen bleibt das Hörvermögen deutlich länger erhalten.
Da sich das Hören meist schrittweise verändert, gewöhnt sich das Gehirn an die neue Hörsituation. Häufig bemerkt zunächst das persönliche Umfeld, dass Fragen wiederholt werden oder der Fernseher lauter eingestellt ist.
Das tatsächliche Höralter hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Dazu gehören unter anderem die erbliche Veranlagung, frühere Lärmbelastungen, bestimmte Erkrankungen und die allgemeine Gesundheit.
Altersschwerhörigkeit: typische Symptome
Die Altersschwerhörigkeit beginnt häufig in den hohen Frequenzbereichen. Dadurch werden bestimmte Sprachlaute undeutlicher. Besonders in lebhaften Umgebungen fällt das Sprachverstehen zunehmend schwerer.
Typische Anzeichen sind:
- Gespräche in Gruppen lassen sich schwerer verfolgen.
- Die Sprache klingt undeutlich.
- Hohe Stimmen werden schlechter verstanden.
- Hintergrundgeräusche wirken störender als früher.
- Der Fernseher oder das Radio wird lauter eingestellt.
- Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner werden häufiger gebeten, etwas zu wiederholen.
- Telefonate werden anstrengender.
- Geräusche wie Vogelgezwitscher, Türklingeln oder Blinker werden seltener wahrgenommen.
- Längere Gespräche machen schneller müde.
Nicht jedes dieser Anzeichen bedeutet automatisch, dass eine Altersschwerhörigkeit vorliegt. Ein Hörtest zeigt, welche Töne noch gut wahrgenommen werden und in welchen Bereichen das Hörvermögen nachgelassen hat.
Warum wird Sprache bei einer Altersschwerhörigkeit undeutlich?
Sprache besteht aus unterschiedlich hohen und tiefen Tönen. Vokale wie „a“, „o“ oder „u“ liegen eher in tieferen Frequenzbereichen und geben der Sprache ihre Lautstärke. Viele Konsonanten liegen dagegen in höheren Bereichen und sind wichtig, um Wörter voneinander zu unterscheiden. Bei einer Altersschwerhörigkeit sind häufig zuerst diese hohen Frequenzen betroffen. Es kann vorkommen, dass Sie eine Stimme deutlich hören, einzelne Wörter aber trotzdem nicht sicher verstehen. „Reise“ und „Reife“ oder „Tasse“ und „Kasse“ können dann beispielsweise ähnlich klingen. In einer ruhigen Umgebung lässt sich vieles noch aus dem Zusammenhang erschließen. Kommen Musik, Straßenlärm oder mehrere Stimmen hinzu, wird das Sprachverstehen deutlich anspruchsvoller.
Wie entsteht eine Altersschwerhörigkeit?
Beim Hören gelangen Schallwellen über das äußere Ohr und das Mittelohr in das Innenohr. Dort befinden sich feine Sinneszellen, die Schall in elektrische Signale umwandeln. Diese Signale werden über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet.
Mit zunehmendem Alter können die Sinneszellen im Innenohr und weitere Bereiche des Hörsystems an Leistungsfähigkeit verlieren. Einmal geschädigte Sinneszellen erneuern sich in der Regel nicht mehr. Auch die Verarbeitung der Höreindrücke im Gehirn kann sich mit der Zeit ändern. Neben dem natürlichen Alterungsprozess können weitere Einflüsse eine Hörminderung begünstigen:
- Langjährige Lärmbelastung
- Erbliche Veranlagung
- Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
- Diabetes
- Rauchen
- Einnahme von bestimmten Medikamenten
- Frühere Erkrankungen oder Verletzungen des Ohres.
Die Ausprägung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Eine Altersschwerhörigkeit lässt sich daher nicht allein am Lebensalter festmachen.
Welche Folgen kann eine unbehandelte Altersschwerhörigkeit haben?
Gutes Hören ist wichtig für Gespräche, Orientierung, einen aktiven Lebensstil oder Pflege von sozialen Kontakten. Wer Sprache nur mit großer Konzentration versteht, findet Unterhaltungen möglicherweise anstrengend. Restaurantbesuche, Familienfeiern oder Telefonate werden dann seltener, das soziale Leben leidet.
Eine unversorgte Hörminderung wird außerdem mit sozialem Rückzug, Depressionen und einem erhöhten Risiko für kognitive Einschränkungen in Verbindung gebracht. Das bedeutet nicht, dass eine Altersschwerhörigkeit zwangsläufig zu einer Demenz führt. Sie gilt jedoch als beeinflussbarer Risikofaktor. Regelmäßige Hörtests und eine passende Hörversorgung sind sinnvoll.
Wie wird eine Altersschwerhörigkeit festgestellt?
Ein professioneller Hörtest ermittelt, wie gut Sie unterschiedliche Frequenzen und Lautstärken wahrnehmen. Dabei entsteht ein sogenanntes Audiogramm. Es zeigt, in welchen Hörbereichen eine Veränderung vorliegt und wie stark sie ausgeprägt ist.
Ein Online-Hörtest kann Ihnen eine erste Einschätzung geben. Er ersetzt jedoch keine medizinische Diagnose. Für eine genaue Abklärung empfiehlt sich eine Untersuchung beim HNO-Arzt oder ein Hörtest bei einem Hörakustiker. Dort kann geprüft werden, ob tatsächlich eine Altersschwerhörigkeit vorliegt oder eine andere Ursache hinter dem veränderten Hören steckt. Das ist besonders dann wichtig, wenn sich das Hörvermögen plötzlich, nur auf einer Seite oder in Verbindung mit Schwindel, Ohrenschmerzen oder starken Ohrgeräuschen verändert. In diesen Fällen sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen.
Was hilft bei einer Altersschwerhörigkeit?
Eine altersbedingte Schädigung der Sinneszellen lässt sich normalerweise nicht rückgängig machen. Moderne Hörgeräte können die fehlenden Höreindrücke jedoch gezielt ausgleichen. Sie verstärken nicht einfach alle Geräusche gleichmäßig. Stattdessen unterstützen sie die Frequenzbereiche, in denen das Hörvermögen nachgelassen hat. Gleichzeitig können aktuelle Hörsysteme die Sprache hervorheben und störende Umgebungsgeräusche reduzieren.
Je nach Modell bieten Hörgeräte weitere Funktionen:
- Verschiedene Hörprogramme für unterschiedliche Situationen
- Automatische Anpassung an die Hörumgebung
- Bluetooth®-Verbindung mit Smartphone, Fernseher oder Tablet
- Freihändiges Telefonieren und direktes Streamen über die Hörgeräte
- Wiederaufladbare Akkus
- Steuerung per App
- Remote-Feinjustierungen aus der Ferne.
Welche Funktionen sinnvoll sind, richtet sich nach Ihrem Hörvermögen, Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Wünschen.
Warum sollte eine Altersschwerhörigkeit früh versorgt werden?
Das Gehirn verarbeitet jeden Tag zahlreiche Geräusche und Sprachinformationen. Werden bestimmte Klänge über längere Zeit kaum noch wahrgenommen, fehlen dem Gehirn wichtige Höreindrücke. Bei einer späteren Hörgeräteversorgung können sich manche Töne deshalb zunächst ungewohnt anhören.
Eine frühzeitige Versorgung kann die Eingewöhnung erleichtern. Das Gehirn erhält wieder mehr akustische Informationen und kann sowohl Sprache als auch Umgebungsgeräusche neu einordnen. Entscheidend ist, die Hörgeräte regelmäßig zu tragen und Einstellungen schrittweise an die persönlichen Anforderungen anzupassen.
Hörgeräte bei einer Altersschwerhörigkeit online kaufen
Auch bei einer Altersschwerhörigkeit können passende Hörgeräte online angefragt und angepasst werden. Wichtig ist, dass die Geräte auf Grundlage Ihrer persönlichen Hörkurve eingestellt werden und eine fachliche Begleitung möglich ist.
Bei hear & now können Sie verschiedene moderne Hörgeräte online vergleichen und bequem von zu Hause aus bestellen. Die Auswahl richtet sich nicht nur nach Ihrem Hörverlust, sondern auch nach Ihren Wünschen an Bauform, Akkulaufzeit, Bedienung, Konnektivität und Komfort.
Nach dem Kauf stellen wir Ihre Hörgeräte passend zu Ihrem Hörvermögen vorab ein und schicken Sie Ihnen bequem nach Hause. Gewünschte Feinjustierungen lassen sich nachträglich remote aus der Ferne anpassen. Sie müssen für kleinere Änderungen nicht jedes Mal ein Fachgeschäft besuchen und können Ihre Rückmeldungen direkt aus den Situationen geben, in denen Sie die Hörgeräte tatsächlich nutzen.
Was können Angehörige bei einer Altersschwerhörigkeit tun?
Angehörige bemerken Veränderungen des Hörvermögens häufig früher als die betroffene Person. Hinweise wie „Du hörst nicht richtig zu“ helfen jedoch selten weiter. Sprechen Sie stattdessen ruhig und wertschätzend über konkrete Beobachtungen. Im Gespräch können folgende Hinweise helfen:
- Sprechen Sie deutlich, aber nicht übertrieben laut.
- Halten Sie Blickkontakt.
- Reduzieren Sie störende Hintergrundgeräusche.
- Sprechen Sie möglichst nicht aus einem anderen Raum.
- Wiederholen Sie einen Satz bei Bedarf mit anderen Worten.
- Schlagen Sie gemeinsam einen Hörtest vor.
Ein Hörtest – ob in einer HNO-Praxis oder bei einem Hörakustiker – ist ein unkomplizierter erster Schritt und schafft eine sachliche Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Fazit: Altersschwerhörigkeit lässt sich gut ausgleichen
Eine Altersschwerhörigkeit entwickelt sich meist langsam und betrifft häufig zuerst das Verstehen hoher Sprachlaute. Gespräche in Gesellschaft, Telefonate und das Fernsehen können dadurch anstrengender werden.
Ein Hörtest zeigt, wie sich das Hörvermögen verändert hat. Moderne Hörgeräte gleichen die betroffenen Frequenzbereiche gezielt aus und unterstützen Sie dabei, Sprache und wichtige Alltagsgeräusche wieder deutlicher wahrzunehmen. Je früher eine Hörminderung erkannt und passend versorgt wird, desto leichter fällt häufig die Gewöhnung an das neue Hören.
Und wenn Sie jetzt schon den Eindruck haben, dass sich Ihr Gehör verändert hat, melden Sie sich bei uns. Unsere Hörakustikerinnen und Hörakustiker machen völlig unverbindlich und kostenlos einen Hörtest und beraten Sie zum Thema moderne Hörgeräte.